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Elektromobilität – Utopie, Religion oder Hoffnung?

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„Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn man in den Großstädten nicht mehr mit stinkenden Verbrennungsmotoren fährt, sondern mit Elektroautos? Wir hätten weniger Abgase. Und was die meisten vergessen: Es würde auch ruhiger werden und das Leben in den Städten besser machen.“

Diesen Schlusssatz gab die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze den beiden „Spiegel“-Redakteure für das Interview in der Osterausgabe des Nachrichtenmagazins mit auf den Weg. Was für eine schöne Vorstellung, gerade passend zum Frühling und zur Feier der Auferstehung.

Die Sonne ist real, der Glaube an die bessere Welt der Frau Ministerin fußt aber leider auf einer Utopie, die für so manchen längst den Charakter einer Religion angenommen hat, deren Glaubensbekenntnis Svenja Schulze für den „Spiegel“ wiederholte. Dabei geht es ums Ganze, um die Gedankenwelt, um allein seligmachende Verkehrswende zur Elektromobilität. Doch nicht nur der Blick auf die ganze Aussage ist entlarvend. Auch einzelne Begriffe aus dem Credo sprechen für sich:

„Stinkender Verbrennungsmotor“ – Das Thema hat die Technik schon vor vielen Jahren abgearbeitet.

„Wir hätten weniger Abgase“ – Auch das hat die Technik längst abgearbeitet, soweit, dass die Wissenschaftler der Leopoldina heute nicht das Stickstoffdioxid, sondern der Feinstaub als bedenklich einstuft. Und der stammt nicht nur aus dem Auspuff der „stinkenden Verbrennungsmotoren“.

Für die Elektromobilität gilt das Sankt-Florians-Prinzip. Emissionen raus aus der Innenstadt. Das weltweite Klima ist dem Verkehrspolitiker von heute offenbar egal, sonst würde er sich intensiver um globalen Klimaschutz kümmern und nicht nur im kümmerlich kleinen eigenen Umkreis aktiv sein.

„Es würde auch ruhiger werden“ – Die Motorenentwickler haben auch den Lärm längst im Griff. Ein Auto mit Verbrennungsmotor rollt bei 50 km/h ebenso leise durch die Stadt wie ein Elektroauto. Wer je die Abrollgeräusche eines 21-Zoll-bereiften Tesla Model X vernommen hat, gibt dem sachkundigen Akustiker recht, der behauptet, dass drei Viertel des Verkehrslärms der Fahrbahndecke zuzuschreiben ist. Es geht um Fahrbahn und Reifen und nicht um den Antrieb.

„Das Leben in den Städten besser machen“ – Der Begriff Leben steht in diesem Zusammenhang ja wohl mit der Fähigkeit zu einem Zusammenleben, das für alle angenehm und erstrebenswert ist. In dieser Vielfalt von Interessen, bei der Entwicklung unserer Demographie, bei dem aktuellen Hang zur Stadt gibt es nicht die die eine Lösung für alles. Jede Kommune muss ihren Weg gehen.

Doch bei der ideologisierten Diskussion geriet das Ziel der Gemeinsamkeit aus dem Blick. Wie sehr, das zeigt die aktuelle Debatte zum Fahrradverkehr. Aus der Sicht der älteren Generation muss die wirken wie die Rache der Jüngeren für die letzten Pensionserhöhungen. Viele Radfahrer – auf jeden Fall die Organisationen, die sich dazu berufen fühlen – positionieren sich mit der Selbstgerechtigkeit von Revolutionären, die für die unterprivilegierte Masse gegen die übermächtige Klasse der Autofahrer aufstehen. In unserer Gesellschaft können sehr oft die einen Erfolg verbuchen, die am lautesten in die richtigen Ohren schreien. So erleben die Radfahrer zur Zeit an vielen Orten ein größeres Entgegenkommen als in der Vergangenheit. Und das ist gut so; denn die Zweiradfahrer können die Innenstädte entlasten. Das steht fest.

Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der die Zahl der Fahrräder und auch der eScooter auf den Straßen schneller wächst als die der Autos. Was aber ist mit den Fußgängern? Wie schaffen wir denen den Lebensraum, der ihnen gefällt und den sie zum Überleben benötigen?

Natürlich mit einem attraktivem Öffentlichen Personennahverkehr, aber auch mit dem eigenen Auto. Und wenn sie angekommen sind, wer schützt sie dann vor der Radfahrern, die allzu gern genau die Regeln missachten, an deren Einhaltung sie einfordern, wenn sie am Steuer ihres Wagens sitzen? Wie gehen wir mit der Masse der Zweiradfahrer um, die nun offenbar auf uns zurollt? Wie mit der großen Zahl der elektrifizierte Zweiräder, die besonders rüstige Rentner nutzen und die derzeit über uns hereinbrechenden E-Sooter?

Der Frühling und die wieder erwachende Schönheit der Natur sind eine starke Aufforderung, Teillösungen und Partikularinteressen zu überwinden und endlich an einer Lösung zu arbeiten, die unsere industrielle Basis stärkt und den Menschen – allen Menschen in unserer Gesellschaft – ein besseres Leben gewährt. Eine Utopie? – Eine Hoffnung! Mit Svenja Schulze kommen wir aber keinen Schritt weiter.

Quelle: ampnet/Sm

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